Mein Weg aus der Box – Von der Beschränkung durch Gewohnheiten hin zu Entwicklung, Kreativität und Lebensfreude.

Über 30 Jahre lange habe ich mein Leben in vermeintlich kraftsparenden Gewohnheiten genossen und verteidigt. Heute weiß ich, wie sehr ich damit mein Leben beschränkt habe.

Früher

Früher bin ich 14-mal an den einen Urlaubsort gefahren und 8-mal an einen anderen. Auch Kurztrips am Wochenende gingen immer an denselben Ort, meist sogar in dasselbe Hotel.

Früher bin ich oft essen gegangen. Dabei hatte ich in jedem Restaurant mein Lieblingsgericht.

Früher bestand mein Leben aus einer Unzahl von kleineren und größeren Gewohnheiten.

Heute

Heute mache ich keinen Urlaub mehr, weil ich verstanden habe, dass ich mich dort nur erholen musste, von meinem dysfunktionalem Leben in dysfunktionalen Systemen.

Heute koche ich ausschließlich selbst und bemühe mich immer wieder Neues auszuprobieren.

Heute lerne ich zu unterscheiden zwischen bewährten Routinen, die Alltagsabläufen Effizienz geben und Gewohnheiten, die mich begrenzen.

Effizienz oder Gewohnheit – der kleine aber feine Unterschied

Schon als Heranwachsender hatte ich ein ganz natürliche Affinität zu effizienten Abläufen:

  • Als ich mir eine elektronische Orgel gebaut habe, bastelte ich mir ein Brett, an dem alle Werkzeuge ihren Platz hatten und immer griffbereit waren.
  • Bei jedem Umzug in meiner Firma (und die waren häufig) bemühte ich mich, meine Rollcontainer auf der gleichen Seite zu haben, weil ich sonst einige Wochen benötigte, bis mein Unterbewusstsein gelernt hatte, dass ich nun für meinen Locher nach rechts und nicht nach links greifen musste.
  • Egal ob im Büro, im Haushalt und für jedes Hobby. Die Dinge habe ihren Platz und die Arbeitsabläufe sind bei mir durch einen ständigen Verbesserungsprozess optimiert.

So lebe ich noch heute Effizienz.

Wie die Gewohnheiten entstanden

Als ich mit Anfang 30 immer mehr im „normalen“ Leben ankam  und mein Mangelbedürfnis entwickelte (vgl. mein Blog: Nach vorne in die Vergangenheit!), kam mit der anwachsenden Überforderung der Wunsch auf, mein Leben zu vereinfachen. Zu dieser Zeit habe ich damit begonnen, meine oben beschriebenen Gewohnheiten zu entwickeln. Ich war lange Zeit der Meinung, dass auch diese Gewohnheiten aus meinem Wunsch nach Effizienz entsprungen waren.

Meine Transformation

Erst als ich im Rahmen meiner Transformation entdeckt habe, dass ich Kräfte habe, die sich entfalten wollen, habe ich angefangen zu verstehen, dass die Gewohnheiten mich davon abhalten und mit Effizienz nichts zu tun haben.

Zunächst dachte ich, mein neues Wissen und die Motivation, meine wiederentdeckten Kräfte nun anwenden zu wollen, würden ausreichen, um die Gewohnheiten abzulegen. Doch dies war nicht der Fall.

Denn niemand geringeres als Einstein hat erkannt:  Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.

HUNA

Und aus dem HUNA-Wissen verstand ich: „Die meisten Angewohnheiten sind unbewusst… Im Huna heißt es, dass eine Gewohnheit sich automatisch verändert, wenn sie aus Sicht des Unterbewusstseins keinen Sinn mehr erfüllt, ohne dass das Bewusstsein dabei ein Rolle spielen muss. Wenn hingegen die Angewohnheit weiterhin ein wie auch immer geartetes Bedürfnis erfüllt, ist bewusste Aufmerksamkeit erforderlich, um sie zu verändern…“ (Serge Kahili King, Begegnung mit dem verborgenen ICH, Bielefeld 2003)

Genau dies war hier der Fall. Da ich erst am Anfang meiner Kraftentfaltung stand, war mein Wunsch nach Mangelerfüllung aus der Zeit als Konsument noch immer in meinem Unterbewusstsein verankert.

Nun war die Frage, welche neue Denkweise mir in diesem Fall helfen kann. Die überraschende Erkenntnis: Auch hier gibt es, wie bei dem Kräften, etwas wieder zu lernen, was ich als Kind vermutlich schon konnte: Mentalisieren:

Mentalisieren

Mentalisierung ist ein Fachbegriff aus der Psychologie und Psychoanalyse. Er steht für die Fähigkeit, „das eigene Verhalten oder das Verhalten anderer Menschen durch Zuschreibung mentaler Zustände zu interpretieren“.[1] Hierbei wird also nicht nur auf das Verhalten des Gegenübers eingegangen, sondern auf die eigenen Vorstellungen über dessen ÜberzeugungenGefühleEinstellungen und Wünsche, die dem Verhalten zugrunde liegen. Mentalisierung bedeutet gewissermaßen, am Verhalten „ablesen zu können, was in den Köpfen anderer vorgeht“. So ist es auch möglich, das eigene Erleben und Handeln reflexiv zu erfassen.

Das Mentalisierungskonzept ist an die Theory-of-Mind-Forschung angelehnt. Es wurde von Peter Fonagy und Mary Target geprägt, die dafür den Ausdruck „Mentalisieren“ bevorzugen, weil es sich dabei um eine psychische Aktivität handelt. Mentalisierung setzt ein Verständnis der Natur des Mentalen voraus. Dies umfasst das Wissen, dass die Realität im Geist lediglich repräsentiert (abgebildet) wird – die Gedanken der realen Welt im Allgemeinen aber nicht exakt entsprechen.

Die Fähigkeit zur Mentalisierung wird ab den ersten Lebensmonaten entwickelt: In einer sicheren Bindungsbeziehung mit den Hauptbezugspersonen geschieht sozialer Austausch. Dieser ermöglicht dem Kind, zunehmend Gefühlsbewegungen zu unterscheiden, zu verstehen und zu kontrollieren sowie die eigene Aufmerksamkeit zu steuern. Die grundlegende Fähigkeit zu mentalisieren ist häufig ab dem vierten Lebensjahr ausgeprägt.

Aus <https://de.wikipedia.org/wiki/Mentalisierung>

Mentalisierung und Metakognitionen

Weiteres zum wissenschaftlichen Hintergrund des Mentalisierens siehe hier.

Die Welt außerhalb meiner Box

Ich verstand nun, dass ich ständig auf Basis meiner inneren Maßstäbe (Überzeugungen) die Realität interpretiere. Diese Interpretation führt zu Reaktionen (körperlich (Handelnd), emotional und mental).

Mentalisieren hilft, mir diesen Interpretationsprozess in jedem Moment bewusst zu machen bis an den Ursprung der inneren Überzeugung. So kann ich mich bewusst für eine andere Kraft entscheiden, die alleine dem Thema/Prozess dient und nicht der Befriedigung meiner Mängel.

Seitdem habe ich das Gefühl eine Tür durchschritten zu haben in eine neue Welt, die unbegrenzt und unberührt vor mir liegt und darauf wartet, von mir beackert zu werden.

 


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