Die drei Bilder im Titel kennzeichnen die zentralen Phasen meines Lebens.

Das rechte Bild ist vor gut einer Woche entstanden. Mein Kollege hat es gemacht. Als ich es sah, war ich erschrocken. Das bin ich nicht. Da sehe ich ja total unvorteilhaft aus. Sofort löschen. Meine Kollegen amüsierten sich und versicherten mir: Das genau bist du wirklich.

Ich war immer noch verhaftet, mit einem Bild von mir, dass eher dem Bild in der Mitte entspricht. – Dies ist entstanden, als ich mich gerade als Projektmanager selbständig gemacht und über die Abfindung meinen Sportwagen finanziert hatte. – Am nächsten Tag, mit etwas Abstand, konnte ich diesen neuen Detlef annehmen und auf einmal kam mir die Erinnerung an das linke Bild, das ich auf einem Schülerausweis auch sofort fand. Damals war ich ungefähr 16 Jahre alt. Als ich das Bild zeigte, waren meine Kollegen begeistert und auch ich habe die Ähnlichkeiten in der Ausstrahlung sofort wiedererkannt.

Seitdem weiß ich: Ich bin auf dem Weg nach vorne und zugleich an einen Punkt, an dem ich schon mal war.

Wir von evolwe haben während unserer Selbst- und Theorie-Forschung im letzten Jahr entdeckt, dass der Mensch in seiner natürlichen Entwicklung zum Erwachsenen und für sein weiteres Leben einen Wachstumsweg durchläuft, der unsere Spezies ausmacht und für alle Menschen gilt, unabhängig von der Kultur.

Wenn wir diesen Weg gehen, werden wir zu souveränen, kraftvollen Menschen, mit einem hohem Maß an Selbstbewusstsein und zugleich dem Wunsch nachhaltige Systeme kollaborativ zu erschaffen.

Wenn wir diesen Weg gehen, haben wir das natürliche Lernen nicht verlernt. Denn dies ist der Schlüssel für lebenslanges Wachsen.

Wir beschreiten diesen Weg aber nur, wenn wir in einem Umfeld aufwachsen, dass diese Entwicklung zulässt und begleitet. Unsere weit verbreiteten Erziehungsmodelle, Schulmodelle und die Prinzipien unserer Leistungsgesellschaft verhindern dies. Stattdessen entwickeln wir eine konditionierte Vorstellung unseres Selbst und gestalteten unbewusst ein Leben, in dem wir uns als Spielball wahrnehmen.

Mein Weg in die Konditionierung und wieder raus sieht so aus:

Phase Selbstforschung – Das Lernen verlernt

Im Alter zwischen 16 und 26 war ich in der Phase der Suche nach dem Sinn des Lebens und zugleich nach meinem Platz in der Gesellschaft. Ich hatte keine Ahnung, wer ich war.

Mein Spitzname war Flippi. Ich habe viel Musik gehört, stundenlang über mich, meine Freundin, meine Freunde, den Sinn meines Lebens und den Wahnsinn der Gesellschaft um mich herum philosophiert. Ich konnte nicht verstehen, warum meine Familie und deren Freunde mit ihrer Arbeit in der Regel  unzufrieden waren, sich ständig über die Chefs, die Firma, die Politik und vieles andere beschwerten, aber alles so ließen, wie es war.

Ich wollte keine sinnlose Arbeit. Ich habe mir damals gesagt: Ich verdiene lieber 1000 Mark weniger und habe dafür mehr Zeit für mich und Familie.  Ich wollte am liebsten Musiker werden. Keith Emerson und Rick Wakeman waren meine Vorbilder.

Zugleich war ich zutiefst überzeugt, dass ich nicht talentiert genug für eine Musikerkarriere war und zu faul, jeden Tag stundenlang Klavier zu üben. Und dass ich nur lernen kann, wenn ich Lust dazu habe.  Ich kannte das Gefühl, was wir heute Flow nennen nur, wenn ich am Klavier improvisierte, oft stundenlang. Dabei durfte mir aber niemand zuhören. Dann geriet ich unter Leistungsdruck und mir viel nichts mehr ein. Diese Haltung hat mich später durch alle Phasen im Leben begleitet. Heute weiß ich, dass ich zu dieser Zeit schon längst das natürliche Lernen verlernt hatte.

Aus dieser Haltung heraus, wusste ich nicht, was „ich werden will“. So sagte man damals. Du erlernst einen Beruf und dann bist du. Aus heutiger Sicht klingt das für mich verrückt.  Dann habe ich meinen Taxischein gemacht und dachte, ich hätte die Lösung. Drei Tage sinnentleerte Arbeit für den Unterhalt und vier Tage für mich und mein Leben. Das ging einige Jahre gut. Nur merkte ich, dass ich an den 4 Tagen lieber Klavier oder Schach spielte, anstatt herauszufinden, was mein Lebenssinn ist.

Dann habe ich meine heutige Frau kennengelernt. Unser Sohn wurde geboren. Ich hatte auf einmal Verantwortung für meinen Sohn. Ein Kind kostet Geld. Damals musste alles neu sein. Wir wollten eine größere Wohnung. Ich musste mehr Geld verdienen, wollte aber nicht mehr arbeiten. Also musste der Stundenlohn höher werden. Ich suchte mir über einen Freund (Netzwerk) eine ARBEIT. Der erste Schritt in die Konsumwelt war getan.

Bei dieser Arbeit in einem Verlag, knüpfte ich an meine technische Begabung an. Ich hatte eine Heimorgel gebaut, konnte mit dem Lötkolben umgehen. Darüber hinaus konnte ich auf meine schulischen Erfahrungen zurückgreifen und fing an zu programmieren. Jetzt bekam ich Wertschätzung für meine Fähigkeiten, die ich natürlich gelernt hatte, wie ich heute weiß. Das Problem war, aus meiner Konditionierung heraus, habe ich mir zurechtgelegt, dass nur das zählt, wofür mir ein Zertifikat ausgestellt wurde. Das ich diesen Job nur bekommen habe, weil ich von meinem Freund empfohlen wurde. Ich habe mir eingeredet, dass ich ohne Zertifikat niemals woanders arbeiten kann.

Phase Selbstbetrug – Verloren in der Konditionierung

Deshalb entschloss ich mich für eine Ausbildung zum Softwareentwickler, landete bei Siemens und begann eine Blitzkarriere als Projektmanager.  Ich kam auf die Förderungsliste für Nachwuchsmanager und verdiente in einem Maße Geld, wie ich es nie für möglich gehalten hatte. Aber Tatsache war, dass es nie gereicht hat. Dabei machte ich wieder die Erfahrung, dass mir die Dinge zufliegen, ich nichts lernen musste bzw. nichts lernen wollte. Das führte dazu, dass ich nach außen sehr selbstsicher wirkte, in meinem Inneren aber immer im Zweifel, weil ich ja keine formalen Ausbildungen für diese Arbeit hatte. Diese innere Anspannung führte dann mit Ende 30 zum Burnout. (Den Begriff gab es damals noch nicht!)

Es folgte die Ernüchterung, ich fing an zu realisieren, dass ich in einer Welt gelandet war, in der ich nie landen wollte. Ich verstand immer mehr, dass der Schlüssel in allen sozialen Systemen der Mensch ist. Ich konnte überall die Dysfunktionalität erkennen. Ich wollte verändern.  Ich entwickelte zusammen mit Kollegen ein alternatives Management-Konzept, dass auf selbstorganisierten Teams basierte. Ich ging in eine Supervisionsgruppe, und bildete mich aus als Trainer und Coach. Aber es blieb immer der Frust, dass die Menschen mit denen die Teamarbeit schwierig war genau die waren, die nicht erreichbar waren, für zwischenmenschliche Themen.

Ich wechselte zu einem Bereich mit einem Manager, der ebenfalls moderne Führungskonzepte verfolgte. Der Bereich genügte aber nicht den gesteckten wirtschaftlichen Zielen, mein Mentor musste gehen. Ich suchte weiter innerhalb des Konzerns nach Veränderungsmöglichkeiten, weil ich immer noch Angst hatte, den sicheren finanziellen Hafen zu verlassen.

Phase Aufbruch

Dann wagte ich den Sprung in die Selbständigkeit und folgte wieder der alten Idee: Drei Tage arbeiten und vier Tage Sinnsuche. Zugleich leistete ich mir einen Sportwagen und gab so viel Geld aus, wie nie zuvor. Das war ein letztes Aufbäumen des konditionierten Mensch in mir.

Zugleich wurde in mir die Frage nach meiner Berufung (so habe ich die Suche nach meinem Lebensruf damals noch genannt) immer größer und der Wunsch, gleichgesinnte Menschen zu finden, mit denen ich mich über meine Vorstellung von Organisationen und Teamarbeit austauschen konnte. Ich wollte nicht länger Einzelkämpfer bleiben.

Das führte mich 2014 zu einer Gruppe von Menschen, die sich ebenfalls mit der Frage beschäftigten, wie eine moderne Unternehmenswelt aussehen kann. Und das war der Beginn für die Korrektur meines Weges hin zu dem Mensch auf dem rechten Bild. Heute brauche ich, wie damals mit 16 Jahre, wenig Geld zum Leben, fahre Fahrrad  statt Auto, folge meinen Lebensruf und bin mitten in dem Prozess meine Systeme in allem meinen Lebensbereichen in funktionale zu transformieren.

Und Nun!

Warum die lange Lebensgeschichte. Ich weiß nun, dass ich Heiler bin. Ich möchte mit diesem Beispiel zeigen, dass jeder zurück kann an dem Punkt, an den er/sie „falsch abgebogen ist“ von dem natürlichen Wachstumsweg, um von dort beginnend zukünftig der richtigen Weggabelung zu folgen, hin zu einem souveränen, kraftvollen Mensch mit einem hohem Maß an Selbstbewusstheit, der gerne Systeme kollaborativ gestaltet.

Wie genau meine Transformation erfolgt ist und was ich dabei alles erlebt, gelernt und verändert habe in meinem Leben, darüber werde ich in weiteren Blogs berichten.

Detlef

 

Kategorien: Allgemein

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