Mein Kollege nervt!

Er weiß alles besser. Sogar, wenn er falsch liegt. Er fällt mir ins Wort. Er beendet meine Sätze. Er redet und redet…

Grrrrr …!

Unsere Beziehung ist schlecht. Manchmal will ich einfach nicht mit ihm zusammenarbeiten.

Wenn er so agiert, dann fühle ich mich schlecht und auch verletzt, manchmal richtig verzweifelt: ich will doch wirklich mit ihm zusammenarbeiten. Er macht das in diesen Momenten unmöglich. Wenn er sich so verhält, dann ist doch klar, dass er die Verantwortung für unsere schwierige Beziehung hat.

Ich denke immer wieder darüber nach, was ich tun kann, damit er sein Verhalten verändert. Eigentlich will ich sogar, dass er sich schlecht fühlt, weil er versteht, dass er mich schlecht behandelt. Ich will, dass er ein schlechtes Gewissen bekommt und sein Verhalten ändern will. Das muss er doch, denn so geht es nicht weiter mit uns. Da ich ihn kenne, versuche ich auch immer wieder so auf ihn einzugehen, dass er versteht, was ich von ihm brauche. Diese Versuche mache ich natürlich nur, wenn zwischen uns gerade „gutes Wetter“ ist. Ansonsten will ich ihm beweisen, dass er im Unrecht ist. Wenn das gelingt, dann ist die Freude bei mir groß, dann kann ich richtig abfeiern. Bis zum nächsten Mal, wenn er wieder „Bescheid weiß“.

So geht das seit Monaten. Ich habe nur diesen Kollegen. Und ich liebe meine Arbeit – unter keinen Umständen will ich sie aufgeben.

Was habe ich nun für Möglichkeiten meine Situation zu verbessern:

  • Ihn zum Guten beeinflussen/steuern
  • Ihn unter Druck setzen
  • Mich an sein Verhalten anpassen
  • Ihn rausekeln

Ich hatte mich weitgehend dafür entschieden ihn zu beeinflussen und zu erziehen. Ich dachte sogar, dass ist meine einzige Möglichkeit. Neulich aber haben wir eine Aufgabe gemeinsam bearbeitet, die sehr kniffelig war. Ich war von dieser Kniffligkeit fasziniert. Ich war in meinem Element. Ich wollte die Lösung finden. Ich ahnte auch, dass ich IHN dafür brauche. Zack, da war er wieder, der Unterbrecher, der Besserwisser. Ich spürte, wie ich mich jetzt wieder anfangen konnte über ihn zu ärgern… Gleichzeitig war mir das Thema so wichtig, dass ich einmal tief Luft holte und mich anders entschied. Ich wollte einfach lieber an dem Thema arbeiten, als mich mit ihm zu streiten.

Ich schob meinen Stolz und mein Recht haben über ihn beiseite und besann mich auf das, was ich über das Thema wusste und konzentrierte mich auf unsere Aufgabe. Ich erklärte ihm mein Wissen, indem ich mich auf die Quelle meines Wissens berief und auch mitteilte, warum ich diese Quelle gewählt hatte. Dann wollte ich auf diese Weise auch mit seinem Standpunkt verfahren. Er dachte nochmal in Ruhe nach und konnte dann mit mir sein Wissen und seine Argumentation teilen. Jetzt hatten wir gemeinsam einen Wissenspool, aus dem wir unseren Lösungsweg finden konnten. Es hat richtig Spaß gemacht mit ihm zusammenzuarbeiten. Wenn er mich im Eifer unterbrochen hat, dann haben wir zusammen darüber gelacht. (Ich erkannte dabei ach, dass ich ihn ja auch regelmässig unterbreche.) Kein Recht haben wollen, keine Beziehungsschwierigkeiten mehr.

So will ich es wieder machen, denn ich verstehe, wie unsere Situation sich gedreht hat: Mir war das Thema wichtiger, als die Auseinandersetzung, als sein Verhalten. Ich achtete gar nicht mehr auf sein Verhalten, sondern ausschließlich auf das Thema. Durch meine Treue zum Thema regelte sich unser Verhältnis von ganz alleine. Jegliches Beziehungs-Spiel stand hinter dem Thema zurück und erledigte sich damit nachhaltig.

P.S:

So, das war jetzt das der Umgang mit dem „Beziehungsthema bei der Arbeit“. Ihr könnt schon mal überlegen, ob und wie sich meine Erfahrung im Bereich der Liebes-Beziehungen auswirken könnte. Dazu melde ich mich demnächst wieder.

Kategorien: Allgemein

1 Kommentar

Interessantes und Wissenswertes für IT-Freelancer – KW33 – htconsult · 19. August 2018 um 16:49

[…] In der konkreten Arbeitssituation verschwimmt der Unterschied zwischen Freelancern und Angestellten. Bei der Kommunikation über fachliche Themen tut es not, dass jeder versucht, konstruktiv etwas beizutragen. Da stört es gewaltig, wenn das Gegenüber alles besser weiß und einen ständig unterbricht. Wir selbst tun das ja nie … https://www.evolwe.de/2018/08/18/beziehungsweisen/ […]

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